Seit 2010 leitet Sandrine Van Den Oudenhoven Job4U2, ein Unternehmen, das den Partner*innen von Expatriates, die in die Schweiz gekommen sind, dabei hilft, ihre berufliche Laufbahn fortzusetzen – sei es durch die Suche nach einer neuen Stelle, die Gründung eines eigenen Unternehmens oder einen kompletten Karrierewechsel. Nach einem Master-Abschluss in Ingenieurwissenschaften in Reims (Frankreich), fundierter Erfahrung in den Bereichen Lieferkette, Vertrieb, Projektmanagement und Einkauf sowie vor allem vielen Reisen entschied sie sich schlussendlich für Bevaix, um dort ihr Unternehmen zu leiten und mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern zu leben. Porträt einer spritzigen Unternehmerin.
Wie haben Sie Neuchâtel entdeckt?
Mein erster Kontakt war ein touristischer Besuch im Jahr 2000. Ich war gerade von Paris nach Lausanne gezogen und hatte die Gelegenheit, einen Tag in Neuenburg zu verbringen. Ich lernte meinen Mann kennen, und wir zogen für vier Jahre nach Brüssel. Dann ergab sich für ihn eine berufliche Chance in der Schweiz, und wir ließen uns in Biel in der Nähe seines Arbeitsplatzes nieder. Zu diesem Zeitpunkt gründete ich mein Unternehmen, und zufällig stammten meine ersten Kundinnen und Kunden aus Neuenburg. Die Region Neuenburg reagierte am schnellsten auf mein Angebot, vielleicht weil ich mich dort wohlfühlte. Letztendlich hat sich mein berufliches und privates Netzwerk hauptsächlich in Neuenburg aufgebaut. Wir wollten ein Haus kaufen und in die Westschweiz zurückkehren, und die Wahl fiel ganz natürlich auf Bevaix, da wir die Kultur der Westschweiz vermissten und uns der Ort gefiel.
Haben Sie eine besondere erste Erinnerung an den Kanton?
Emotional ist mir ein erstes Geschäftstreffen auf der Terrasse des „Silex“ in Hauterive noch gut in Erinnerung. Es war so wunderschön. Ich dachte mir, dass mein Büro gewissermaßen direkt am See lag. Schnell wurde es zu meinem wichtigsten Ort für geschäftliche Treffen.
Was hat Sie dazu bewogen, ein Unternehmen zu gründen?
Nachdem ich meine Kinder bekommen und in vielen Ländern gereist und gelebt hatte, habe ich meine berufliche Situation insgesamt überdacht. Das hat mein Interesse für den Personalbereich und den Arbeitsmarkt geweckt. Damals habe ich in Italien eine Fachkraft kennengelernt, deren Aufgabe darin bestand, Partner*innen bei ihrer Ankunft im Land zu begleiten. Das passte wirklich gut zu meinem Werdegang, meinen Interessen und meinen Kompetenzen. Ich wollte mich weiterbilden, um diese Art der Unterstützung auch in der Schweiz anbieten zu können. Die Arbeit ist der wichtigste Faktor für soziale Bindungen und spielt daher bei einem Umzug oft eine entscheidende Rolle. So habe ich mein Unternehmen 2010 gegründet; mittlerweile sind wir sechs Coaches und haben bereits mehr als 500 Menschen bei ihrem Lebenswandel begleitet.
Ist es einfach, in der Schweiz ein Unternehmen zu gründen?
Meines Wissens nach ist die Schweiz neben den Niederlanden das Land in Europa, in dem der Einstieg ins Unternehmertum am einfachsten ist.
Was war beim Start am schwierigsten?
Als ich mein Unternehmen gründete, kam ich aus der „Corporate“-Welt, in der geschäftliche Beziehungen sehr vertraglich geregelt sind. Ich musste meine Herangehensweise überdenken, um mich an die lokale Kultur anzupassen. In der Schweiz lässt man beispielsweise nicht schon beim ersten Treffen Vertraulichkeitsvereinbarungen unterzeichnen. Das Vertrauen entwickelt sich ganz informell im Laufe der Beziehung.
Was gefällt Ihnen am Kanton Neuenburg am besten?
Die Lebensqualität, die Außenbereiche, die Natur und die Geselligkeit, die in den kleinen Dörfern herrschen. Die städtischen Umgebungen sind von hoher Qualität. Sie erfüllen die Bedürfnisse in Bezug auf Kultur, Einkaufsmöglichkeiten, Ausgehen und Freizeit. Gleichzeitig gibt es den unmittelbaren Zugang zu einer sehr vielfältigen Natur. Auch die Mobilität ist ein wichtiger Punkt. Nachdem ich in großen Städten in der Schweiz und im Ausland gelebt habe, finde ich, dass die Mobilität hier einfacher ist. Alles ist in der Nähe.
